Anja Weber zählt zu den vielseitigsten und talentiertesten Sportlerinnen der Schweiz. Als Jugend-Olympiasiegerin im Triathlon und Bronzemedaillengewinnerin bei den Langlauf-Weltmeisterschaften hat sie es geschafft, zwei sehr unterschiedliche Sportarten mit grosser Leidenschaft, Disziplin und sorgfältiger Planung zu kombinieren. In diesem Interview erzählt sie von den Herausforderungen, ihren emotionalen Höhepunkten und gibt Tipps für junge Athletinnen und Athleten.

 

Skilanglauf und Triathlon – die Doppelkarriere

Du betreibst zwei Sportarten auf höchstem Niveau. Was ist die grösste Herausforderung, die Vorbereitung für Skilanglauf und Triathlon im Laufe des Jahres zu kombinieren?

Langlauf und Triathlon lassen sich für mich wunderbar miteinander kombinieren und geben mir die nötige Abwechslung, die ich als Athletin brauche. Die grösste Herausforderung ist für mich die richtige Planung. Doch mit meinem Hauptcoach, Michi Rüegg, gelingt mir das prima. Da ich zwei Wettkampfsaisons habe, ist es wichtig, dass wir den Trainingsaufbau, die Trainingslager und die Wettkämpfe richtig einsetzen, damit die Belastung nicht zu gross wird und mir auch genügend Zeit für einen sauberen Aufbau und eine gute Grundlage bleibt.

Hast du jemals den Druck gespürt, dich für eine der beiden Sportarten entscheiden zu müssen, oder war es für dich immer klar, beide weiterzuverfolgen?

Als ich klein war, meinten die meisten, dass ich mich irgendwann entscheiden müsse, wenn ich wirklich an die Weltspitze kommen möchte. Jedoch habe ich immer auf mein Herz gehört und das gemacht, was ich will und woran ich Freude habe. Denn der wichtigste Grundsatz für eine erfolgreiche Karriere, sei es beruflich oder sportlich, ist die Freude. Da ich durch die Abwechslung so viel Spass mitnehmen kann, wollte ich mir dies auch nicht nehmen lassen. Ich habe es mir immer offengelassen und mit der Zeit wurde mir immer mehr bewusst, wie gut mir beide Sportarten tun und dass ich diese Abwechslung brauche. Ebenfalls hat mich mein engstes Umfeld immer unterstützt, weshalb ich auch weniger Druck von den beiden Verbänden gespürt habe.

Triathlon

Du bist Youth Olympic Champion im Triathlon geworden, ein aussergewöhnlicher Erfolg. Welchen Einfluss hatte dieser Sieg auf dein Selbstvertrauen und deine weitere sportliche Entwicklung?

Die Youth Olympic Games waren für mich im Triathlon in jungen Jahren sicherlich eines der grössten Highlights und haben mich noch mehr motiviert sowie mir viel Selbstvertrauen gegeben. Wenn ich heute zurückschaue, ist dies jedoch nur ein kleines Puzzleteil und der Weg, den ich gegangen bin und immer noch gehe, ist noch sehr lang. Aber ein solcher Erfolg in jungen Jahren ist sicher ein grosser Motivationsschub und macht Lust auf mehr.

Langlauf

Wenn du an den Team Sprint bei den Weltmeisterschaften in Trondheim zurückdenkst, welches Bild oder welcher Moment kommt dir als Erstes in den Sinn?

Mein absolutes sportliches Highlight meiner bisherigen Karriere sind sicherlich die Weltmeisterschaften in Trondheim. Natürlich war die Bronzemedaille das Tüpfchen auf dem i, aber die Tausenden Zuschauer, die eine unvergessliche Stimmung brachten und die enorme Sportbegeisterung waren einfach unglaublich. Wenn ich einen bestimmten Moment auswählen muss, dann wäre es sicherlich das Stadion, das vor dem Sprintfinal tobte.

Du hast bereits an zwei Olympischen Spielen teilgenommen, in Peking 2022 und Milano-Cortina 2026. Welcher Moment aus diesen Erfahrungen ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Die Spiele 2022 und 2026 waren für mich sehr unterschiedlich. In Peking war ich gerade einmal 20 Jahre alt und die Jüngste im Team. Die Selektion kam auch nicht ganz erwartet und ich freute mich darauf, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln. 

In Milano-Cortina vier Jahre später war die Situation anders. In diesem Jahr kam ich mit hohen Erwartungen an die Spiele, die ich leider nicht ganz erfüllen konnte. Ich wusste, dass meine Form wirklich hervorragend war, doch leider wurden mir auch ein paar Chancen aus der Hand genommen. Deshalb war ich dieses Jahr wirklich enttäuscht. Dennoch waren die Spiele im Nachbarland sicherlich etwas schöner, da wir auch viele Zuschauer aus der Schweiz hatten.

Persönlichkeit und Inspiration

Gab es in deiner Karriere einen besonders schwierigen Moment? Was hat dir geholfen, diesen zu überwinden?

In meiner Karriere hatte ich bereits zwei wirklich schwierige Momente, die ich jedoch überwunden habe und die mich noch stärker gemacht haben. Zum einen war es die Herzmuskelentzündung, die ich nach einer Covid-Infektion im Jahr 2021 bekam. Danach musste ich eine viermonatige Zwangspause vom Sport einlegen, was sicherlich die längste und schwierigste Zeit war. Ich versuchte, mich ein bisschen auf andere Dinge zu konzentrieren und wusste, dass meine Fitness schnell zurückkommen würde, sobald ich wieder anfangen kann. So war es dann auch.

Der zweite Moment war dieses Jahr nach den Olympischen Spielen. Die Chance auf eine Olympische Medaille wurde mir leider genommen, ohne dass ich etwas dafür konnte. Das war sicherlich ein Moment beziehungsweise ein Gefühl, das ich niemandem wünsche. Ich brauchte jedoch nicht lange, um wieder aus diesem Loch herauszukommen. Fünf Tage später reiste ich nach Alicante, um mich etwas abzulenken und die Freude am Sport und am Langlauf wiederzufinden, indem ich ein bisschen Triathlontraining absolvierte. Das gelang mir hervorragend und eine Woche später lief ich mein bestes Rennen meiner Karriere im Langlauf Weltcup. Nach all dem Drum und Dran wurde mir auch noch bewusster, dass der eigentliche Weg eines Athleten viel interessanter und schöner ist als die Ziele selbst.

Welchen Rat würdest du jungen Athletinnen und Athleten geben, die davon träumen, auf hohem Niveau zu konkurrieren – vielleicht sogar in mehreren Sportarten?

Vielseitigkeit als Kind ist sicher sehr wichtig. Probiert Dinge aus und macht vor allem das, was euch Spass macht, und lasst euch nichts vorschreiben.

 

Wir danken Anja Weber herzlich für ihre Zeit und dafür, dass sie ihre Erfahrungen, ihre Entschlossenheit und die wichtigsten Momente ihrer Karriere mit uns geteilt hat. Wir wünschen ihr alles Gute für die kommenden sportlichen Herausforderungen und hoffen, dass sie weiterhin junge Athletinnen und Athleten mit ihrer Begeisterung und Leidenschaft für den Sport inspiriert.