Aron Fahrni zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Para-Athleten und begeistert mit aussergewöhnlichen Leistungen auf internationaler Bühne. Im Interview spricht Aron Fahrni über seine Erfolge an den Paralympics, die Herausforderungen und Chancen des täglichen Trainings sowie den Umgang mit seinen körperlichen Einschränkungen.
Zudem gibt er spannende Einblicke in die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem Para-Sport und dem Regelsport. Wie hoch ist der Trainingsaufwand? Wo liegen die grössten Herausforderungen? Und was können Sportlerinnen und Sportler voneinander lernen?
Ein inspirierendes Gespräch über Leistung, Leidenschaft und die Bedeutung von Sport ohne Grenzen.
Aron Fahrni, herzliche Gratulation zu deiner Bronzemedaillie an den Paralympics in Milano/Cortina 2026. Als Dominator der vorausgegangenen Weltcup-Saison zähltest du zu den Topfavoriten auf eine Medaillie. Wie gingst du mit dem Druck um und welchen Stellenwert hat diese Medaillie für dich?
Mein Sport liegt hinsichtlich der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit glücklicherweise nicht im Mittelpunkt, wodurch ich weniger den Druck empfand, die Erwartungen einer ganzen Nation erfüllen zu müssen. Den meisten Druck macht man sich normalerweise selbst. Ich habe versucht das ganze emotional nicht zu gross werden zu lassen und es möglichst gelassen zu nehmen. Trotzdem hatte ich leicht das Gefühl, dass ich eine Medaille gewinnen müsste, was mir schlussendlich auch gelungen ist. Bei mir ist der Stellenwert jeder Medaille nicht hoch, was für mich aber wichtig ist, ist zu wissen, dass ich mit Medaillen Menschen inspirieren kann.
Ein paar Tage später, nach deinem bis dahin wohl grössten Erfolg, gingst du in deiner eigentlich stärkeren Disziplin dem “Banked Slalom” leer aus. Gegen aussen war dir keine Enttäuschung anzusehen. Wie war es innerlich und wie ist dein Umgang mit Rückschlägen?
Ich wusste bereits vor den Spielen, dass es für mich in Cortina schwieriger sein könnte im Banked Slalom aufs Podest zu fahren. Ich habe erwartet, dass es an den Paralympischen Spielen ein gut präparierte Kurs sein wird, meine Stärken liegen jedoch eher bei schnellen und unsicheren Kursen. Das Erwartete traf ein und dennoch war ich nicht Chancenlos, es fehlten mir nur 14 Hundertstel aufs Podest. Ich versuche aber meine Leistung nicht von der Rangierung abhängig zu machen und mit meiner Leistung war ich grundsätzlich zufrieden, auch wenn es immer Verbesserungsbedarf gibt. Ich hatte Freude, dass drei andere Menschen auf Podest gefahren sind als beim ersten Rennen. Für mich war das kein Rückschlag, aber ich mag es wenn das Leben nicht immer nach meinen Vorstellungen abläuft, da ich aus diesen Momenten extrem vieles lernen kann. Ich glaube, dass die schwierigen Zeiten zeigen was für eine Person man wirklich ist und ich finde es interessant mich selbst besser kennenzulernen.
Nach der Saison ist vor der Saison auch für dich Aron. Wie bereitest du dich auf die kommende Saison vor und was unterscheidet dein Training zu Trainings von Regel-Sportlern?
Ich versuche eine gesunde Distanz zum Snowboarden zu gewinnen und mich dennoch gut vorzubereiten. Ich gehe daher erst im Spätsommer wieder auf den Schnee und bin in dieser Zeit im Kraftraum, gehe mit dem Skate auf den Pumptrack oder übe andere Sportarten aus. Mein Training unterscheidet sich grundsätzlich nicht vom Regelsport. Vielmehr sind es Vorlieben und Trainingsüberzeugungen, die von Person zu Person anders sind und einen Einfluss aufs Training haben.
Gibt es Dinge auf, welche du wegen deiner Beeinträchtigung beim Training speziell achten musst und wie hoch ist dein Aufwand als Spitzen-Para-Athlet?
Ich muss aufpassen, dass ich meine linke beeinträchtigte Seite nicht vernachlässige und sie auch trainiere, obwohl es mühsam ist. Gewisse Kraftübungen muss ich anpassen, da ich links nicht wirklich gut Gewichte halten kann und ich darf nicht zu viel Gewicht auf meine Schultern laden, weil es mir wegen meiner Skoliose Rückenschmerzen bereitet.
Fast mein ganzer Alltag hat etwas zu tun mit meiner Karriere. Wenn ich nicht am trainieren bin nutze ich die Zeit um meine Karriere zu managen. Im Sommer bin ich oft unterwegs um z.B. behinderungsspezifische Themen in die Gesellschaft zu bringen. Dies hat zwar auf den ersten Blick nichts mit meinem Sport zu tun, aber wenn ich meine Plattform nutze, ist es für mich sinnstiftend für das was ich mache.
Sportlerinnen und Sportler sind dafür bekannt, dass sie sich von anderen immer was abschauen. Was können Regel-Sportler*innen von euch Para-Athleten abschauen, um erfolgreicher zu werden und was schaust du von ihnen ab?
Der Regelsport kann von uns Para-Athleten lernen, dass Erfolg nicht nur gleichbedeutend mit Medaillen ist. Zudem müssen Parasportler oft kreative Lösungen finden in der Anpassung des Trainings oder des Materials um trotz erschwerten Bedingungen zielführende Lösungen zu finden. Der Parasport hingegen könnte etwas bezüglich Professionalität lernen, insbesondere im Aufbau von Strukturen und optimalen Rahmenbedingungen. Für mich persönlich ist es besonders der Austausch über die Snowboardtechnik die ich im Training mit dem Regelsport schätze.
Du kennst beide Seiten vom Leben, jene ohne Beeinträchtigung und jene mit. Hatte der Sport für dich schon immer denselben Stellenwert im Leben oder hat er dir speziell nach deinem Unfall geholfen, damit du dich weiterhin als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft gesehen hast?
Da mein Unfall so früh in meiner Kindheit passiert ist, kann ich mich nicht wirklich an ein Leben zuvor erinnern. Für mich war der Sport oder einfach die Bewegung immer sehr wichtig und hat mir Freude bereitet. Sich als ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sehen wird evtl. durch den Sport sogar erschwert, da im Sport Unterschiede stärker zum Vorschein kommen. Bei mir war es immer die Motivation aus mir heraus, die mich zum Sport getrieben hat und mich als vollwertiges Mitglied zu sehen, musste ich lernen.
Lassen wir mal den Sportler Aron Fahrni hinter uns, was zeichnet den Menschen Aron Fahrni aus, welcher hinter all den sportlichen Erfolgen steht?
Für den Menschen Aron Fahrni sind die sportlichen Erfolge nicht wirklich relevant aber er hat Freude daran, wenn er Sportarten beherrscht. Ich würde mich als einen aufgestellten jungen Mann bezeichnen, der versucht herauszufinden, wie man sein Leben sinnvoll nutzen kann. Ich bin neugierig, vielseitig interessiert, beschäftige mich gerne mit den grossen Fragen des Lebens und habe immer das Gefühl, dass der Tag nicht genügend Stunden hat. Ich versuche die Welt zu einem besseren Ort zu machen, aber wirklich verändern kann ich nur mich selbst und hoffe dass dies einen positiven Effekt auf die Mitmenschen und die Umwelt hat.
Zum Abschluss darfst du unseren Leserinnen und Leser noch dein Persönliches Motto preisgeben:
Versuche nicht ein erfolgreicher Mensch zu sein, sondern ein wertvoller! (Albert Einstein)
