Mit seinem 500. Podestplatz erreicht der Altersklassenathlet Aeneas Appius ein beeindruckendes Jubiläum. Diese Zahl umfasst nationale und internationale Wettkämpfe in den Disziplinen Lauf,  Rad, Triathlon und Duathlon – ein Beweis für seine Vielseitigkeit und seinen unermüdlichen Ehrgeiz.

Seit seinem Quereinstieg 1998 vom Fussball zum Laufsport hat Aeneas eine bemerkenswerte Bilanz aufgebaut

Kategoriensiege

306

Meisterschaftsmedaillen

56, davon 23 international (25 Gold)

Duathlon Weltmeister- und Europameistertitel

8

Schweizermeistertitel

14

Altersklassen Streckenrekorde

35

 

In insgesamt 729 Wettkämpfe hat Aeneas insgesamt 11’139 Kilometer und 142’613 Höhenmeter gemeistert.

Wir wollten wissen, was ihn nach über 700 Wettkämpfen noch immer antreibt – und was ihm dieser Meilenstein bedeutet.

Was hat dich zu diesem einmaligen Jubiläum angetrieben?

Im Alter von 38 Jahren wollte ich mich sportlich weiterentwickeln und verabschiedete mich vom Fussball. Im Laufsport fand ich eine neue Leidenschaft – flexibel, naturverbunden und individuell gestaltbar. Anfangs ging es mir darum, meine persönlichen Bestzeiten zu verbessern. Bald merkte ich jedoch, dass ich neben schnellen Beinen auch taktisch und mental stärker werden musste, denn die Luft für Podestplätze wurde immer dünner.

Ich wollte mich mit den besten Running Masters der Schweiz messen und international um Kategoriensiege kämpfen. Jeder kleine Erfolg motivierte mich, auf unterschiedlichen Strecken und Profilen meine Stärken zu entdecken. Nach rund 500 Laufrennen mit 50 Jahren spürte ich jedoch einen „Lauf-Burnout“. Meine Frau Anita riet mir, neue Wettbewerbe und Sportarten auszuprobieren – ein Wendepunkt. Dass es nun 500 Podestplätze geworden sind, hat mich selbst überrascht und freut mich natürlich ebenfalls sehr.

Viele sehen dich als Ausdauer-Multitalent. Würdest du dich selbst auch so nennen?

Ich bin sehr dankbar, dass mein Körper mir erlaubt, verschiedene Sportarten auf hohem Niveau zu betreiben. Talent allein reicht nicht – entscheidend ist akribischer Fleiss und Leidenschaft. Meine Devise lautet: „Lerne schnell von den Besten und suche dir die richtigen Inspiratoren.“

Ich liebe die Abwechslung – ob Orientierungslauf, Skifahren, Langlauf oder Rudern. Jährlich bestreite ich 20 bis 25 Wettkämpfe in unterschiedlichen Sportarten und kann dank meines polysportiven Trainings problemlos zwischen den Disziplinen wechseln.

Wie schaffst du es, mit 65 Jahren noch Leistungssport auf diesem Niveau zu betreiben?

Neben Arbeit und Familie habe ich mich konsequent auf meine sportliche Leidenschaft konzentriert – und jedes Jahr nur auf wenige Saisonziele. Die meinen Körper belastenden Longjogs kompensiere ich mit schönen Radfahrten oder Langlauf. Zwei harte Intervalleinheiten pro Woche – eine auf der 400 m Bahn, eine auf dem Rad – bilden den Kern meines Trainings. Ruhepuls und Erholungswerte sind nach wie vor ausgezeichnet.

Du sprichst selbst von „Eigenbelohnung“. Was meinst du damit?

Wer ein Ziel erreicht, sollte sich bewusst belohnen – das ist ein wertvolles psychologisches Instrument. Bei jeder Zielsetzung definiere ich eine Belohnung, auf die ich mich freue. Nach meinem dritten Duathlon-Weltmeistertitel schenkte ich mir zum Beispiel ein Paar Carbon-Rennschuhe. Umgekehrt verzichtete ich auf eine Belohnung, wenn ich trotz Medaille meine angestrebte Zeit verfehlte.

Wie gehst du mit Verletzungen um?

Ich hatte glücklicherweise nur wenige Verletzungen durch Überlastung, dafür einige fremdverursachte unfallbedingte Blessuren. In solchen Phasen war mir mein „Schutzengel“ oft nah. Vor jeder Operation habe ich mein nächstes Ziel definiert und mit meinem Arzt und Physio-Team abgestimmt.

Was war deine grösste sportliche Herausforderung?

Stillstand ist Rückschritt – auch im Sport. Der grösste Druck entsteht, wenn man einen Titel verteidigen will. Als Favorit wird man gejagt, und Zweifel sind Gift. Ich habe gelernt, Mut, mentale Stärke und taktisches Gespür zu kombinieren.

Bei internationalen Anlässen ist das Niveau deutlich höher, daher simuliere ich im Training die Wettkampfbedingungen sehr präzise – inklusive Höhenprofil, Klima und Leistungsfähigkeit der Gegner. Ich stelle mir bei einem Training meine Rivalen als virtuelle Gegner vor, deren Angriffe ich abwehre oder kontere. Dieses mentale Duell hilft mir, physisch und taktisch perfekt vorbereitet zu sein.

Wie wichtig ist dir Anerkennung?

Anerkennung gibt positive Energie und Freude. Sie ist die Basis für Weiterentwicklung und Motivation. Ich durfte im Laufe der Jahre viele schöne und emotionale Momente erleben und freue mich noch heute über jedes kleine Lob.

Gleichzeitig ist es mir wichtig, auch selbst viel Anerkennung und Lob zurückzugeben. Ich danke meinen Mitstreitern, Helfern und Sponsoren für ihre langjährige Unterstützung. Ein guter Tag ist für mich erst dann gelungen, wenn ich mehr Lob verteilt als erhalten habe.

Hast du nach all diesen Erfolgen überhaupt noch sportliche Ziele?

Ja – ich liebe grosse Herausforderungen! 2024 konnte ich an den Pan-American Masters Games mit zwei Goldmedaillen aus vier Wettkämpfen wertvolle Erfahrungen sammeln. Für Februar 2026 plane ich die Teilnahme an den Open Masters Games in Abu Dhabi mit bis zu fünf Wettkämpfen in acht Tagen – Duathlon, 5000 m Bahn, 10 km Zeitfahren, 80 km Radrennen und zum Abschluss der Spiele einen 10 km Strassenlauf.

 

Aeneas ist Autor der Bücher: „WINNING SPIRIT“ und „DUATHLET“: https://buchshop.bod.de/catalogsearch/result/?q=aeneas+appius

Interview mit Aeneas Appius, 30. Oktober 2025