Sportveranstalter stehen 2026 vor vielfältigen Herausforderungen: steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit, neue Erwartungen von Teilnehmenden und Sponsoren, wachsende Kosten sowie technologische und gesellschaftliche Veränderungen.
Im Gespräch mit Stefan Ruf, Präsident von Powerman Zofingen, erhalten wir einen praxisnahen Einblick, wie sich ein internationaler Grossanlass wie der Powerman Duathlon Zofingen diesen Entwicklungen stellt – und welche Strategien dabei entscheidend sind.
Nachhaltigkeit und Umweltauflagen
Welche ökologischen Anforderungen und Erwartungen stellen Teilnehmende, Behörden und Sponsoren heute an einen Sportanlass wie den Powerman Duathlon Zofingen, und wie beeinflussen diese die Planung und Druchführun im Jahr 2026?
Die Anforderungen sind sehr vielfältig und sie spielen für die Mittelvergabe der öffentlichen Hand, bei der Gewinnungen von Event Sponsoren, bei der Beurteilung durch die nationalen und internationalen Verbände und bei der Wahl des Events durch die Teilnehmenden eine laufend wichtigere Rolle.
Im Vordergrund stehen dabei einerseits die Bemessung und Quantifizierung der verursachten Emission, zum Beispiel die Kalkulation des gesammten mit dem Event verbundener CO2 Austosses. Andererseits geht es darum mit ganz konkrete Massnahmen die bestehenden Konzepte auch umzusetzen.
Als wesentliche Neuerung haben wir darum einen eigenen Geschäftsleitungsbereich "Nachhaltigkeit" eingeführt. Damit wird sichergestellt, dass bei allen wichtigen Entscheidungen nebst den üblichen Kriterien wie Qualität, Kosten, Machbarkeit auch das Kriterium Nachhaltigkeit jedes Mal bewertet wird.
Damit wollen wir auch die Vorgabe des Weltverbandes, das sogenannte "Silver-Level" zu erreichen, zumindest erfüllen, wenn nicht gar übertreffen.
Freiwilligenmanagement
Viele Veranstalter berichten von Schwierigkeiten, genügend Helferinnen und Helfer zu finden. Der Powerman Zofingen ist bekannt für seine grossartigen Helfer. Wie hat sich die Situation für eure Volunteers entwickelt, und welche neuen Ansätze sind 2026 notwendig, um engagierte Freiwillige für den Anlass 2026 zu gewinnen und zu halten?
Als Weltmeisterschaft im Duathlon können wir sicherlich davon profitieren, dass unsere 600 Volunteers zum Gelingen eines einzigartigen Projekts beitragen können. In der Vergangenheit haben vor allem Vereine unseren Bedarf abgedeckt, heute sind es mehr und mehr auch Einzelpersonen. Darum investieren wir in die ganzjährige Kommunikationen zu unseren Helfenden, damit sie sich integriert fühlen und sie auch an Angeboten unserer Sponsoren und Partner teilhaben lassen. Am Anlass selber ist unser zentraler Helfer-Point Dreh- und Angelpunkt, wo sich die Helfenden treffen und untereinander austauschen können. Sie werden dort auch ausgerüstet und verpflegt. Zusätzlich starten wir 2026 ein Projekt, bei dem es darum geht Kooperationen mit anderen Veranstaltungen im Volounteer-Bereich aufzubauen.
Kostenentwicklung und Finanzierung
Steigende Kosten für Sicherheit, Infrastruktur und Dienstleistungen belasten Budgets zunehmend. Welche finanziellen Herausforderungen muss der Powerman 2026 stemmen?
Die Finanzierung ist zweifelsohne die grösste Herausforderung. Das hat damit zu tun, dass sich das klassische Sponsoring von Verbänden und Veranstaltungen abnimmt und die Mittel direkt in die besten Sportlerinnen und Sportler investiert werden. Über die Social Media können die Werbebotschaften dann direkt an die Zielgruppe vermittelt werden.
Allerdings sehen Experten eine Trendwende kommen: Der Einsatz von KI wird zu einer Vervielfachung des Contents führen und die Menge der eingehenden Nachrichten über Social Media kann gar nicht mehr aufgenommen werden. Darum wird das Live Marketing vor Ort direkt mit der Zielgruppe wieder wichtiger werden. Qualität statt Quantität, Glaubwürdigkeit der Werte und Botschaften und die persönlichen Beziehungen werden darum wieder vor die Reichweiten-Zahlen rücken. Darum sehe ich neue Chancen gerade für ikonische Events wie es der Powerman Duathlon zweifelsohne ist.
Technologie und Digitalisierung
Von Zeitmessung über Kommunikation bis hin zum Zuschauererlebnis – welche technologischen Erwartungen prägen den Powerman Zofingen im Jahr 2026, und wo liegen dabei die grössten organisatorischen Herausforderungen?
Im Triathlon und Multisport geht es vor allem darum, die Entwicklung des Rennens in Verbindungen mit den Leistungsdaten der Athletinnen und Athleten sichtbar zu machen, so dass für die Zuschauer, wo immer sie auch sind und welchen Device sie auch einsetzen, quasi mitten im Rennen dabei sein können. Im Vergleich mit der meist linearen Rennentwicklung eines Marathonlaufs ist ein Wettkampf mit verschiedenen Disziplinen wie Triathlon oder Duathlon viel dynamischer und mit häufigen Positionswechseln verbunden.
2026 wollen wir das im Vorjahr eingeführte Tracking System, das übrigens auch über eine Ortungs- und Alarmierungsfunktion verfügt, weiter verfeinern und die Daten in unsere Liveübertragungen integrieren und damit dem weltweiten Publikum sichtbar machen.
Sicherheit und externe Einflüsse
Wie wirken sich Themen wie Wetterextreme, Sicherheitskonzepte oder gesellschaftliche Veränderungen auf die Planungssicherheit des Powermans aus, und wie bereiten Sie sich als Organisator darauf vor?
Gegen die zunehmenden Wetterextreme können wir nichts unternehmen, ausser die Wetterentwicklung schon im Voraus sehr viel sytematischer zu verfolgen. Hingegen haben wir einen auf Wetterkriterien basierten Massnahmenplan, der in Extremsituation
Ein enorm wichtiges Thema sind die Sicherheitskonzepte, die wir in Zusammenarbeit mit den Behörden massiv ausgebaut haben. In der Vergangenheit ist es darum gegangen, die Teilnehmenden vor einem Unfall während dem Rennen zu schützen. Heute müssen wir die ganze Veranstaltung vor einer Vielzahl von möglichen Bedrohungen schützen, von denen wir hoffen, dass nie eine Eintritt. Dies betrifft auch die Absicherung unserer ganzjährig genutzten Plattformen und die vertraglichen Vereinbarungen mit unseren Dienstleistern, zum Beispiel in den Bereichen Anmeldewesen, Zahlungsverkehr und Datenmanagement.
Hinsichtlich gesellschaftlicher Veränderung stellen wir mit Genugtuung fest, dass nicht alles so eintrifft wie prognostiziert. Experten hatten vorausgesagt, dass nach der Pandemie das Sportverhalten komplett anders sein werde und Wettkämpfe an Bedeutung verlieren würden. Das Gegenteil ist eingetroffen: Die Teilnehmerzahlen im Ausdauersport sind rasant am steigen und haben neue Rekordstände erreicht. Wir haben aber auch gelernt, dass sich das bei globalen Ereignissen sehr rasch ändern kann.